Schloss Thurnau

Der Besucher Thurnaus wird mitten im Markt von einer ausgedehnten Schlossanlage überrascht, die man mit ihrer turmhoch aufragenden, mächtigen Kemenate, den zwei sich anschließenden umbauten Schlosshöfen, den Wehr- und Schneckentürmen, dem straßenüberquerenden Übergang zur Kirche sowie dem anschließenden Renaissancebau der ehemaligen Lateinschule nicht so schnell vergisst. Wie kam ein idyllisch gelegener, vor dem Autobahnbau aber nur schwer erreichbarer Ort zu so einem eindrucksvollen Ensemble?

Am Fuße des Fränkischen Jura errichtete das alte Rittergeschlecht der Förtsche auf einem mächtigen, aus dem Sumpfgelände des Aubaches aufragenden Sandsteinfelsen eine Turmburg. Dieser Turm in der Au wurde seit Anfang des 13. Jahrhunderts namengebend für den Ort. Das sog. "hûs ûf dem stein" war nach Süden durch zwei vorgelagerte Türme geschützt, die im 18. Jahrhundert mit welschen Hauben versehen wurden. Im Westen umgab ein Wassergraben die Anlage. Im Osten und Norden schützte ein Trockengraben.

1565 fielen Schloss und Herrschaft im Erbgang an die Förtschischen Schwiegersöhne von Künßberg und von Giech, anfangs zur gemeinsamen Hand. Das Auseinanderleben der Familien führte zu getrenntem Wohnen. Der künßbergische, frühbarocke Schlossteil im "Unteren Hof" besaß nach Norden eine Arkadengalerie. Im Giech`schen "Oberen Hof" gruppieren sich Hohe Kemenate, Torwärterhaus, Hans-Georgen-Bau, Kutschenhaus und Carl-Maximilian-Bau um den Rokokobrunnen. Fast  jede Generation erweiterte die Schlossanlage um einen Gebäudeteil, baute aus, modernisierte und renovierte.

Hans Georg, der erste Giech auf Thurnau, ließ das "hus uf dem stein" um drei Stockwerke erhöhen, nach Norden erweitern und mit einem Renaissancegiebel schmücken. Die 33 m "Hohe Kemenate" bot Wohnraum, aber in den neuen Teilen auch gewinnbringenden Lagerraum für Getreide. Zwei neue Treppentürme, der "Vordere" bzw. "Hintere" Schnecken, erleichterten nun den Zugang. Im Auftrag von Hans Georg Giech schuf der Kulmbacher Steinmetz Hans Schlachter 1581 an der Ostseite der Kemenate den reich geschmückten Gebetserker. Auf Hans Georg Giech geht auch der nach ihm benannte Erweiterungsbau nach Südosten samt einem hölzernen Verbindungsgang zurück. Nach dem 30-jährigen Krieg wurde der Hans-Georgen-Bau um ein Stockwerk erhöht und von italienischen Stuckateuren ausgeschmückt. Die zwei Wehrtürme ließ Carl Gottfried Giech erhöhen und mit welschen Hauben versehen. Der südliche sog. Centturm diente als Gefängnis, da die Giechs als Landesherren auch die hohe Gerichtsbarkeit ausübten. Zwischen beiden Türmen wurde 1714 das Kutschenhaus erbaut. Den Abschluss des Oberen Hofes nach Westen bildet der zwischen 1729 und 1731 errichtete Carl-Maximilian-Bau, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit einem Rokokogiebel versehen und vorzüglichem Bayreuther Stuck geschmückt wurde. Um 1800 im klassischen Geschmack teilweise umgestaltetet, enthält der Carl-Maximilian-Bau einen im Fränkischen einzigartigen Tapetensaal mit Landschaftsveduten.

So spiegelt Schloss Thurnau die Entwicklung vom ziemlich unbequemen, mittelalterlichen Wehr- und Wirtschaftsbau über das Streben nach etwas mehr Bequemlichkeit und Wohnlichkeit zu einer kleinen Residenz, dem barocken Bedürfnis nach Repräsentanz entsprechend. Umfangreiche Renovierungsarbeiten im 19. Jahrhundert zeigen, wie weit sich die standesherrliche Familie zum Erhalt des Erbes verpflichtet fühlte. Eine seit Ende des 20. Jahrhunderts dringend notwendig gewordene Sanierung sowie die Umwidmung des Schlosses zu einem musikwissenschaftlichen Forschungszentrum der Universität Bayreuth, die Nutzung als Seminar- Veranstaltungs- und Hotelbetrieb haben einige moderne Zutaten notwendig gemacht, den Gesamteindruck der mächtigen Schlossanlage aber erhalten.


Text: Dr. Uta von Pezold

Ehemaliges Teehaus

Der Kreisheimatpfleger Dieter Schmudlach hat sich längere Zeit mit dem äußert stark gefährdeten Baudenkmal ehem. Teehaus beschäftigt. So sind folgende Seiten entstanden: